Marleen Krallmann

eva — die integrative Lernschrift
»eva« ist eine Schrift, die speziell für das Schreibenlernen entwickelt wurde. Sie besteht aus mehreren Varianten zum handschriftlichen Schreiben mit logischen Verbindungen, basiert auf den humanistischen Kursiven und trainiert eine schnelle, flüssige und leserliche Handschrift!
Im Sommer 2020 konnte ich mithilfe des Arbeitsstipendiums der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holsteins die Basis für die Eva legen. Dabei ging es vor allem um das handschriftliche Schreiben der Buchstabenformen mit anschließender Digitalisierung. Dabei half mir der in Fachkreisen berühmte Schriftgestalter Albert-Jan Pool.
Es hat sich im Laufe meiner Arbeit gezeigt, dass Eva einen Anspruch an Integration hat: Sie und die geplanten Unterrichtsmaterialien sollen frei zugänglich sein und in allen europäischen Sprachen angeboten werden. Das bedeutet den Ausbau der Schrift mit allen europäischen diakritischen Zeichen (z.B. »ç«, »ĕ« oder »Ħ«). Eva wird also eine integrative Lernschrift!

 

 

Copyright: Marleen Krallmann

 

 

 

Janine Adomeit

In dem Roman „Die Schule der Verwundbarkeit“ (Arbeitstitel, 2020/21) beschäftige ich mich mit moderner Medizinethik. Ausschlaggebend dafür war für mich die Frage, welche Bedeutung Schmerz in einer Gesellschaft hat: Welche Methoden Menschen nutzen, um ihm zu begegnen, wie sie ihn z. B. bekämpfen oder kultivieren, ihn spirituell erheben, ihn als Machtinstrument nutzen oder anderweitig Profit daraus schlagen. Im vorliegenden Text stehen sich zwei Figuren dahingehend widersprüchlich und teils dogmatisch gegenüber, deren innere Konflikte schnell zu äußeren werden.

 

Mich irgendwann mal mit dem Thema Medizinethik und insbesondere Pharmakologie literarisch auseinanderzusetzen, stand für mich immer fest. Im Münchner Museum Brandhorst habe ich einmal Damien Hirsts „In this terrible moment we are all victims of an environment that refuses to acknowledge the soul“ aus dem Jahr 2002 gesehen. Es zeigt in einem 9 x 2 m großen Spiegelschrank über 27.000 aus Kunstharz und Gips gefertigte Tabletten und Kapseln. Dieses Kunstwerk fiel mir wieder ein, als ich dann vor einiger Zeit eine Reportage über die Opioid-Krise in den USA las, und es hat in mir so viele Fragen aufgeworfen, dass ich begonnen habe, darüber zu lesen und schließlich, darüber zu schreiben.

 

Da das Thema rechercheintensiv ist, habe ich begonnen, mit Karteikarten zu arbeiten. Die Karten helfen dabei, Zusammenhänge und Strukturen zu erkennen, und sie sind für mich auch eine bessere visuelle Stütze als z. B. eine Exceltabelle. Aufgrund der Corona-Pandemie kann ich im Moment nicht in der Bibliothek oder in Archiven recherchieren, was vor allem in Bezug auf die regionale und die Stadtgeschichte wichtig wäre (die Handlung ist zu einem großen Teil in der Gegend um die Flensburger Förde angesidelt, aber nicht alles spielt sich in der Gegenwart ab), da muss bis auf Weiteres das Internet herhalten. Was ich mein ganzes schreibendes Leben schon mache, ist, Bücher über Kreatives Schreiben und Storytelling zu lesen, auch entsprechende Blogs und Podcasts sind da hilfreich. Wenn ich eine Szene schreibe, ist das oft erst mal nur ein Entwurf. Ich ändere manchmal später die Perspektive, den Tonfall oder das Tempus, um zu schauen, ob Form und Inhalt zueinander passen. Das wiederum kann man eigentlich nur erkennen, wenn man nebenher viele Romane liest und unterschiedliche Stimmen bzw. Herangehensweisen an ein Thema kennenlernt.

 

Janine Adomeit, Januar 2020

 

 

Fotos: Tilman Köneke

 

 

 

Mark Christoph Klee

Solo / Duett (Arbeitstitel)

 

Mark Christoph Klee ist Teil des Performance Kollektivs Merle | Mischke | Klee  Das Stipendium während der Pandemie zu erhalten, war der Impuls, um erstmals alleine zu arbeiten. Er hat im Studio nach Bewegungszuständen gesucht, die die Isolation und Entfremdung, den Abstand und das Fehlen von Berührung körperlich übersetzen. Er forschte zu sanften Bewegungspraktiken und entwickelte intuitives Bewegungsmaterial. Ausgehend von diesem Material, das während des Stipendiums alleine und häufig auch in Einsamkeit erarbeitet wurde, soll Anfang 2021 ein Duett entstehen. Ähnlich wie bei einem ersten Date gilt es herauszufinden, wie aus zwei Soli ein Duett werden kann. Der Moment der Begegnung wird seziert und das Stück somit ein Versuchsfeld für ein vorsichtiges (post-)pandemisches Annähern. Parallelen zu ersten Dates zu ziehen, erlaubt etwas nervösen Humor. Man checkt einander aus und fragt sich, ob man zögernd oder selbstbewusst den ersten Kontakt suchen soll. Es wird Kitschiges und Kulleraugen geben. Es wird geflirtet und sich vorsichtig nahe gekommen.