Koloniales Erbe Sønderjylland-Schleswig

Ein gemeinsames Projekt des Flensburger Schifffahrtsmuseums, Museums Sønderjylland - Kulturhistorie Aabenraa und der Schleswigschen Sammlung der Dansk Centralbibliotek Flensborg


 

Vor 100 Jahren, am 31. März 1917, verkaufte Dänemark seine Kolonien in der Karibik samt der dort lebenden Menschen an die USA. Aus den dänisch-westindischen Inseln wurden die US Virgin Islands. Das Flensburger Schifffahrtsmuseum, das Museum Sønderjylland - Kulturhistorie Aabenraa und die Schleswigsche Sammlung der Dansk Centralbibliotek Flensborg nehmen das Gedenkjahr zum Anlass für eine eingehende Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte der Region Sønderjylland-Schleswig. So ist Flensburg durch seinen Zucker- und Rum-Handel mit den dänischen Kolonien in Westindien reich geworden. Noch heute wirbt die Stadt für sich als „Rum-Stadt“. Die Ziegeleien entlang der Förde produzierten massenhaft Baustoffe für die Inseln. Die aufwendigen Reisen in die Karibik wurden zum Wirtschaftsmotor der gesamten Region, von der Seeleute, Kapitäne, Kaufleute, Schiffbauer, Handwerker und Bauern allerorten profitierten. Auch die deutschen Kolonien in Afrika zogen zahlreiche Kaufleute, Soldaten, Beamte, Landwirte, Missionare oder Ingenieure in die Ferne.

 

Wie gehen wir heute mit unserem kolonialen Erbe um? Wie prägen die Folgen des europäischen Kolonialismus unsere Welt? Mit einer Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen wollen das Flensburger Schifffahrtsmuseum, das Museum Sønderjylland - Kulturhistorie Aabenraa und die Schleswigsche Sammlung zum Nachdenken über die eigene Geschichte anregen und für eine verantwortungsbewusste Erinnerungskultur sensibilisieren. Die Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein unterstützt das Flensburger Schifffahrtsmuseum bei der Realisierung dieses ambitionierten Projekts mit einem Reisekostenzuschuss für eine Forschungsreise nach Ghana sowie einem Zuschuss für die Übersetzungen des projektbegleitenden Sammelbandes.

 

Das Schifffahrtsmuseum hat für das Projekt Dank der Förderung im Programm Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes für 18 Monate die renommierte jamaikanische Kulturwissenschaftlerin Dr. Imani Tafari-Ama von der University of the West Indies eingestellt. Die Beteiligung von Dr. Tafari-Ama stellt sicher, dass das Projekt eine afro-karibische Perspektive beinhaltet. Diesem Anspruch wird nicht nur durch eine Forschungsreise auf die heutigen US Virgin Islands, sondern auch nach Ghana Rechnung getragen, dem Ausgangspunkt des transatlantischen Sklavenhandels. Auf diese Weise wird ein europäisch-karibisch-afrikanischer „Trialog“ aufgebaut, der zum besseren Verständnis der gemeinsamen Kolonialgeschichte beiträgt.

 

Auch die Anthologie zum kolonialen Erbe Sønderjylland-Schleswigs, die im Oktober 2017 im Verlag der Syddansk Universitet veröffentlicht wird, will den transatlantischen Austausch fördern, indem die Beiträge in drei Sprachen, nämlich auf Deutsch, Dänisch und Englisch veröffentlicht werden. Der reich bebilderte Sammelband bietet eine breit gefächerte Auswahl an Beiträgen, die sich u.a. mit der Architektur auseinandersetzen, die Geschichte unseres heutigen Konsums erzählen, Lebenswege vorstellen oder einen kritischen Blick auf unsere Erinnerungskultur werfen. Die Publikation umfasst ca. 400 Seiten mit Beiträgen von Erik Gøbel, Susanne Grigull, Lars Jensen, Detlev Kraack, Mikkel Leth Jespersen, Marco Petersen, Stefanie Robl, Aya Soika, Imani Tafari-Ama, Joachim Zeller u.a.

 

Weitere Informationen:

http://www.flensburg.de/Kultur-Bildung/Kultureinrichtungen/Schifffahrtsmuseum/Koloniales-Erbe

„Nolde in der Südsee“ auf Schloss Gottorf

Laufzeit: 8. Mai bis 3. September 2017

 

Emil Nolde, Palmen am Meer, 1914, Ölfarben auf Leinwand, 70,5 x 110 cm, Nolde Stiftung Seebüll

Emil Nolde, Palmen am Meer, 1914, Ölfarben auf Leinwand, 70,5 x 110 cm, © Nolde Stiftung Seebüll

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt anlässlich des 150. Geburtstages von Emil Nolde (1867–1956) gemeinsam mit der Nolde Stiftung und der Stiftung Rolf Horn eine große Sonderausstellung mit dem Titel „Nolde in der Südsee“. Vom 8. Mai bis 3. September 2017 werden in der Reithalle auf der Schleswiger Schlossinsel und in der Sammlung Horn 19 Gemälde, mehr als 50 Aquarelle und 80 Pastelle und Zeichnungen ausgestellt – entstanden auf einer Südseereise von Emil Nolde in den Jahren 1913/1914.

 

Erstmals wird im Norden eine derartige Vielzahl und Bandbreite dieser Werke präsentiert, darunter viele Exponate, die selten oder noch nie öffentlich zu sehen waren.

 

Die Reise in die Südsee, die Emil Nolde zusammen mit seiner Frau Ada unternahm, gehört zu den zentralen Ereignissen seines Lebens und inspirierte seine Kunst nachhaltig. Zusammen mit zwei Tropenmedizinern und einer Krankenschwester waren Ada und Emil Nolde Teil einer „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuginea-Expedition“ des Deutschen Reiches, die die verheerenden Epidemien in den deutschen Kolonien erforschen sollte. Für den Maler und seine Frau war diese Reise die Gelegenheit, die vermeintlich wilde und unberührte Welt der Südsee zu erleben, den ursprünglichen Zuständen menschli­chen Seins unverfälscht begeg­nen zu kön­nen – sie folgten einer Sehnsucht, die Nolde mit vielen Künstlern seiner Zeit teilte. Der bekannteste Vertreter war sicherlich Paul Gauguin.

 

Die Reise vor mehr als 100 Jahren führte die Noldes im Gefolge der Expedition über Moskau mit der transsibirischen Eisenbahn nach Korea, Japan, China und Hongkong, dann weiter über die Philippinen nach Deutsch-Neuguinea. Schon auf der Hinfahrt entstanden die ersten Werke, schnelle konzentrierte Arbeiten in Aquarell und Tusche. Insgesamt fertigte Nolde Hunderte von Aquarellen an und 19 Gemälde. Aquarelle waren nicht nur wesentlich leichter zu transportieren, sondern Ölfarbe trocknete bei der hohen Luftfeuchtigkeit auch nicht durch. Die farbprächtigen Gemälde wie zum Beispiel „Tropensonne“ (1914) werden – neben den Aquarellen und Pastellen – auf Gottorf zu sehen sein.

 

Die Schleswiger Ausstellung „Nolde in der Südsee“ ist Teil des Ausstellungsverbundes „Nolde im Norden“: Anlässlich des Geburtstages dieses großen Expressionisten öffnet die Nolde Stiftung in Seebüll erstmals in diesem Umfang ihre Depots und ermöglicht in Seebüll selbst, aber auch auf Gottorf und ab September 2017 in der Kunsthalle Kiel große Ausstellungen zu Noldes reichem Schaffen.

 

www.schloss-gottorf.de

www.nolde-im-norden.de

Gott und die Welt

Vom sakralen zum autonomen Bild 1871-1918

30. Oktober 2016 bis 29. Januar 2017

 

Christian Rohlfs, „Der Prophet“ 1917, Öl auf Leinwand, 110,5 x 61,5 cm © Kunsthalle zu Kiel, Foto: Martin Frommhagen

In einer entscheidenden Phase der Moderne weicht die abendländische Tradition des christlich motivierten Werkes der künstlerischen Autonomie. Die persönliche Haltung, die eigene Idee, das Material, die Form und die Farbe zeichnen das Werk des Künstlers aus. Die politisch definierte Zeitspanne der Existenz des Deutschen Reiches gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen sakrale, spirituelle und transzendente Bildbegriffe verhandelt werden. Beide, die geistlichen wie die politischen Aspekte, berühren sich und stoßen sich gleichermaßen ab im Deutschen Reich. Ihre Dynamiken tragen wesentlich zum Entstehen der klassischen Moderne bei.

Erwerbung von Handschriften Friedrich Hebbels

Die Hebbel-Gesellschaft e. V. in Wesselburen konnte im November 2015 mithilfe der Finanzierung durch die Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein drei original Briefhandschriften Friedrich Hebbels erwerben.
 

Drei handschriftliche Briefe Friedrich Hebbels wurden angekauft:


1. Dreiseitiger Brief an den Verleger Julius Campe:
Das bislang unbekannte Schreiben an den Verleger Julius Campe vom 25.05.1847 ist dazu geeignet, Hebbels Verhältnis zu den Verlegern differenzierter als bisher zu erfassen. Insofern stellt der Brief einen beachtlichen Zugewinn in Hinsicht auf Erkenntnisse zu Hebbels Persönlichkeit dar.
 
2. Vierseitiger Brief an Johann Valentin Teichmann:
Der an Johann Valentin Teichmann verfasste Brief vom 13.01.1853 war bisher ebenfalls unbekannt und trägt wichtige Details zur Haltung Hebbels gegenüber der deutschen Theaterszene seiner Zeit bei.
 
3. Dreiseitiger Brief an Gotthard Freiherr von Buschmann:
Der Brief an Gotthard Freiherr von Buschmann vom 01.03.1863 ist bereits in einer Abschrift überliefert und bringt insoweit keinen unmittelbaren wissenschaftlichen Mehrwert mit sich, dennoch ist mit seinem Erwerb eine qualitative Aufwertung der Hebbel-Sammlung verbunden.
 
Die Sammlung und sachgerechte Erforschung von Schriften Friedrich Hebbels sind hochrangige Anliegen der schleswig-holsteinischen Kulturpflege. Die drei erworbenen Briefe sind inhaltlich von erheblicher Aussagekraft für die biografische Erforschung Friedrich Hebbels. Alle drei Briefe sind für die Hebbel-Forschung, die in den letzten Jahren in Fachkreisen enorm an Bedeutung gewonnen hat, von großer Wichtigkeit. Die Hebbel-Gesellschaft genießt weit über Schleswig-Holstein hinaus einen hervorragenden Ruf.
 
Die Briefe wurden der Hebbel-Gesellschaft als Dauerleihgabe des Landes für Ausstellungs- und Auswertungszwecke zur Verfügung gestellt. Sie werden an die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel übergeben, da hier geeignete klimatische Lagerungsbedingungen vorzufinden und sie eine hervorragende Ergänzung der bereits beachtlichen Hebbel-Handschriftensammlung sind.

 

»Denn ich habe vieles mit Herzblut gemalt« Wenzel Hablik. Porträts

Vom 05. Juli - 08. November 2015 im Wenzel-Hablik-Museum, Itzehoe
 
 
Das Jahr 2015 ist gleich in zweifacher Weise ein Jubiläumsjahr: Die Wenzel-Hablik-Stiftung feiert ihr 30-jähriges Bestehen und das Wenzel-Hablik-Museum wird 20 Jahre alt.
 
Die Jubiläumsausstellung präsentiert eine Auswahl an Porträts aus dem Besitz der Wenzel-Hablik-Stiftung, ergänzt durch Leihgaben anderer hochrangiger Sammlungen und aus Privatbesitz, und zeigt den Universalkünstler Wenzel Hablik von einer bisher unbekannten Seite. Wenzel Habliks Malerei und Grafik wird vorwiegend mit seinen Meerbildern, den Darstellungen des Weltraums oder den Architekturutopien verbunden. Dass zu seinem Schaffen auch viele Porträts zählen, ist dagegen weniger bekannt. Dabei haben sich über 50 Porträts in Öl erhalten. In dem reichen Grafikbestand lassen sich zudem über 600 Porträt- und Gestaltstudien ausmachen. Allein auf Habliks Orientreise 1910 entstehen etwa 100 Skizzen, in denen der Künstler die ihm begegnenden Menschen in geübten Strichen festhält. Hier zeigt sich nicht nur seine akademische Ausbildung, sondern vor allem seine von tiefstem Interesse an der menschlichen Natur getragene Beobachtungsgabe.
 
Schon ab 1905, noch als Student an der Prager Akademie der Bildenden Künste, malt er immer häufiger Porträts. Zu den Porträtierten zählen Weggefährten, Studienkollegen und Damen für die er kurzzeitig schwärmte. Zweifelsohne waren Porträtaufträge für Hablik besonders zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn bedeutend – als erste Verdienstmöglichkeit und um sich als Maler einen Namen zu machen. Nach seinem Umzug nach Itzehoe im Jahr 1907 malt er Familienmitglieder und Bekannte seines Itzehoer Mäzens Richard Biel. Auch seine spätere Frau, die Weberin Elisabeth Lindemann, porträtiert er schon früh. Die Bildnisse erzählen somit immer auch etwas über die persönlichen Begegnungen des Künstlers. Manche Werke verdeutlichen, wie Hablik seine Gestaltungsmöglichkeiten stetig erweitert und dabei mit den neuen Erkenntnissen die Ausdruckskraft steigert.
 

 

 

Jugend musiziert - der Wettbewerb

In der Zeit vom 13.- 15. März 2015 findet in Meldorf der 52. Landeswettbewerb Schleswig-Holstein von „Jugend musiziert“ statt.

 

„Jugend musiziert“ wurde 1963 ins Leben gerufen und erreicht mittlerweile jährlich bundesweit mehr als 20.000 jugendliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Damit gehört das Projekt zu den größten und erfolgreichsten Wettbewerben weltweit. Der Landesmusikrat ist Träger des schleswig-holsteinischen Landeswettbewerbs.

 

Die Austragungsorte wechseln, um den Wettbewerb in allen Regionen des Landes zu präsentieren. Jedes Jahr stellen sich rund 600 Instrumentalisten, Sängerinnen und Sänger den kritischen Ohren der Jurys der 5 Regionalwettbewerbe (Kiel, Lübeck, Westküste, Schleswig-Flensburg und Südholstein). Rund 300 davon werden zum Landeswettbewerb weitergeleitet, schließlich erreichen etwa 70 Jugendliche den sich anschließenden Bundeswettbewerb.

 

„Jugend musiziert“ stellt eines der wichtigsten musikalisch-pädagogischen Förderinstrumente in Deutschland dar. Der Wettbewerb motiviert Kinder und Jugendliche zu musikalischem Engagement, fördert einen hohen Anspruch an die eigene künstlerische Leistung und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.  Mitmachen können Kinder und Jugendliche bis zu einem Höchstalter von 20 Jahren, bzw. von 27 Jahren in den Kategorien Gesang und Orgel. Die Solo- und Ensemblekategorien wechseln jedes Jahr. Dabei ist „Jugend musiziert“ längst nicht mehr nur der klassischen Musik vorbehalten: Seit 2003 gibt es die Kategorie „Musical“, seit 2009 hält die Pop-Musik Einzug in den Wettbewerb. Ermöglicht wird der Wettbewerb seit seinen Anfängen durch die großzügige Unterstützung des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein sowie der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein. Zudem leistet das Sponsoring von YAMAHA einen unverzichtbaren Beitrag zum Gelingen des Landeswettbewerbs. Ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Landeswettbewerbs erhalten die Möglichkeit, ihr Programm bei mehreren Preisträgerkonzerten zu präsentieren.

 

Foto: Thomas Martin

 

Weitere Informationen: http://www.landesmusikrat-sh.de/wettbewerbe/jugend-musiziert.html

Augen auf! Thomas Mann und die bildende Kunst

13. September 2014 bis 6. Januar 2015

 

Was sieht der Schriftsteller, wenn er von seinem Schreibtisch aufblickt? Die Ausstellung gibt erstmals Einblicke in die Bildwelten Thomas Manns.

 

Die Präsentation im Museum Behnhaus Drägerhaus widmet sich der bildenden Kunst, gesehen mit den Augen Thomas Manns. Der Ausstellungsteil im Buddenbrookhaus nimmt die Illustrationen zu Texten Thomas Manns zum Ausgangspunkt. Hier eröffnet der Blick der Bildkünstler auf die Literatur neue Interpretationsspielräume.

 

Beeindruckt haben Thomas Mann Werke verschiedener Künstler, darunter der Maler Hans Thoma, Ludwig von Hofmann, Arnold Böcklin, Max Liebermann, Max Oppenheimer, Oskar Kokoschka, Albrecht Dürer, des Holzschneiders Frans Masereel, des Fotografen Albert Renger-Patzsch oder Arbeiten der Bildhauer Fritz Behn, Hans Schwegerle und Ernst Barlach. Illustrationen seines literarischen Oeuvres etwa von Alfred Kubin, Wilhelm Schulz, Emil Preetorius, Thomas Theodor Heine oder Karl Walser provozierten ihrerseits die Stellungnahme des Schriftstellers.

 

Thomas Mann ist mitunter wie magisch von der Aura des Originals ange­zogen. In anderen Fällen reichen ihm Reproduktionen als reine Motivlieferanten. Einer Reihe von bildenden Künstlern, wie dem Holzschneider Franz Masereel oder dem Fotografen Albert Renger-Patzsch, hat Thomas Mann Essays gewidmet.

 

Das Leitmotiv der Ausstellung „Augen auf!“ ist im doppelten Sinne zu verstehen: Gemeint ist Thomas Mann, der sich der Kunst zunächst zurückhaltend, später immer selbstverständlicher nähert und sogar ausdrücklich zu Fragen der bildenden Kunst

 

Stellung bezieht. „Augen auf!“ ist aber auch ein Appell an den Ausstellungsbesucher, dem Blick Thomas Manns folgend die Kunst der Moderne losgelöst vom gängigen Schema der Avantgarde zu betrachten.

 

Spiegel Bericht zur Ausstellung

https://museum-behnhaus-draegerhaus.de/

Farbgestaltung der historischen Treppenhäuser der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe

 

Die Kaiser-Karl-Schule in Trägerschaft der Stadt Itzehoe begeht 2016 ihr 150-jähriges Jubiläum, sie ist das älteste Gymnasium der Stadt. 1866 zunächst als Realschule gegründet, erfreut sich die Schule innerhalb kürzester Zeit eines so großen Zulaufs, dass auf dem jetzigen Schulgelände ein größeres Schulgebäude errichtet werden musste. Dieser zweigeschossige Ziegelbau, in den Jahren 1868-1870 errichtet, entwickelt sich zum Kern des heutigen Gebäudeensembles der Kaiser-Karl-Schule, kurz KKS. In ihm befindet sich heute nach zahlreichen Um- bzw. Erweiterungsbauten im Erdgeschoss das Lehrerzimmer und darüber die Aula.

 

Die beiden historischen Treppenhäuser führen zum einen vom jetzigen Haupteingang und zum anderen von der Turnhalle bzw. dem Schulhof hinauf zur Aula und in den Gebäudeteil, der 1904/05 nach Umwandlung der Schule in eine neunklassige Vollanstalt  an das  Kerngebäude angebaut wurde. Beide Treppenhäuser stellen im sogenannten Altbau die Hauptverkehrswege für Schülerinnen, Schüler sowie das Lehrerkollegium dar, werden also häufig frequentiert. Die Aula ist den vergangenen Jahres aufwändig restauriert worden und hat sich damit zu einem Zentrum des Schullebens entwickelt. Sie wird häufig und gern für Veranstaltungen genutzt. Überrascht ist jeder Besucher der Aula über sich dort befindenden vier original Hablik-Gemälde, eine ständige Leihgabe des Hablik-Museums.

 

Die Idee zur künstlerischen Farbgestaltung der historischen Treppenhäuser ist Anfang 2014 in Zusammenarbeit zwischen Denkmalpflege, Schulträger, Schule und Förderverein entstanden, die Entwürfe Benjamin Mastaglios fanden Anklang, so dass ein entsprechender Antrag zur Förderung der Maßnahme an die Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein gestellt wurde. Dank der großzügigen Förderung seitens der Kulturstiftung sowie mit Mitteln des Schulträgers und großzügigen Spenden aus der Elternschaft konnte das Projekt im Frühjahr 2015 in Angriff genommen werden. Das vom Haupteingang zur Aula führende Treppenhaus ist fertiggestellt, die Arbeiten am Gegenstück sollen im April beginnen und zu Beginn des kommenden Schuljahres abgeschlossen sein. Damit verfügt die KKS zu ihrem Jubiläum 2016 über eine würdige „Visitenkarte“ und eine künstlerisch anspruchsvolle Ergänzung zu ihrem Titel als „Kulturschule des Landes Schleswig-Holstein“.

Was heißt hier Theater

Mit der Ausstellung „Was heißt hier Theater“ hat der Verein Theatermuseum Kiel e.V. die Geschichte des Kieler Kinder- und Jugendtheaters im Oktober 2014 in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek präsentiert.

„Es ist mir federleicht ums Herz“ ist der Titel des Buches, dass die über vierzigjährige Geschichte des Theaters dokumentiert. 1972 offiziell an den Start gegangen, zählt es heute nicht nur zu den renomiertesten, sondern auch zu den ältesten eigenständigen Jugendtheatern der Bundesrepublik.

Ein Schlüsselereignis in der Entwicklung des Ensembles war der Einzug in seine heutige Wirkungsstätte, das „Veranstaltungshaus im Werftpark“. Er beendete den jahrelangen und mühsamen Kampf um eine eigene Spielstätte. 2014 feierte das „Theater im Werftpark“ sen 25-jähriges Jubiläum – Grund genug, jetzt seine Erfolgsgeschichte zu erzählen.

Gestützt auf historische Dokumente, Zeitzeugenberichte und weit über 100 Abbildungen vermittelt das Buch zugleich ein spannendes und bislang unerforschtes Kapitel Kieler Stadt- und Kulturgeschichte.

 

includo

Inklusives Theaterfestival Kiel, Do. 28.08. bis So. 31.08.2014

 

 

Zum ersten Mal fand in Kiel includo statt, das inklusive Theaterfestival Kiel 2014. Dreieinhalb Tage lang war in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins integratives Theater zu erleben – in Aufführungen, Workshops und Diskussionen. Sechs Produktionen von Gruppen aus ganz Deutschland, mehrere Theaterworkshops, offene Gespräche mit Fachleuten aus Kultur und Gesellschaft: Tage voller Theater, künstlerischer Begegnung und Austausch von Menschen mit und ohne Behinderungen.

Integratives bzw. inklusives Theater bedeutet in diesem Kontext für uns: Theaterproduktionen von erwachsenen Menschen mit und ohne Behinderung werden unter professioneller Leitung zur Aufführung gebracht. Includo stellt zum einen eine logische Weiterführung der 10-jährigen, erfolgreichen Arbeit des Integrativen Theaters Kiel dar, zum anderen soll es über die Grenzen Kiels und des Landes hinaus mit „Leuchtturmcharakter“ auf gelebte Inklusion aufmerksam machen und diese in einer breiten Öffentlichkeit verankern.

Sechs integrativen Theatergruppen aus ganz Deutschland wurde es ermöglicht während des gesamten Festivals dabei zu sein. Dies war die Basis für Begegnung und Austausch aller Beteiligten: Um über den eigenen Tellerrand zu schauen, künstlerische Kriterien zu entwickeln und qualitative Maßstäbe zu setzen. Um integratives Theater als mitgestaltendes Element kulturellen Stadtlebens zu zeigen und, nicht zuletzt, um nachhaltige Vernetzung zu initiieren. Inklusives Theaterfestival heißt für uns: Verschiedenartigkeit ist Reichtum, Normalität durch kulturelle Begegnung - der integrative, künstlerische Prozess im professionellen Rahmen als elementarer Bestandteil der Kulturarbeit.

Zentraler Begegnungs- und Aufführungsort war das soziokulturelle Zentrum „Die Pumpe“, das mitten in Kiel liegt und eine größtmögliche, breitgefächerte Öffentlichkeit anspricht. Ein weiterer Spielort war das Theater im Werftpark.

 

includo ist eine gemeinsame Veranstaltung von der Landeshauptstadt Kiel und Die Pumpe e.V. in Kooperation mit dem Integrativen Theater Kiel und dem Theater im Werftpark.

Includo wurde gefördert von: Landeshauptstadt Kiel; Fonds Soziokultur; Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein; Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein; Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Initiative „alle inklusive“

Künstlerische Leitung: Raija Ehlers

Organisatorische Leitung: Heike Wittneben

 

Informationen und eine Dokumentation über das Festival sind im Internet zu finden:

www.includo-kiel.de

www.facebook.com/includo

Erwerbung von Autographen Friedrich Hebbels und Johann Heinrich Voss

Neuerworbene Autographen und Manuskripte von Friedrich Hebbel (1813-1863) und Johann Heinrich Voss (1751-1826) ergänzen das Literaturarchiv in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek

 

Mit Hilfe der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein konnte die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek im März 2014 auf einer Berliner Auktion zwei wertvolle Autographen zur Ergänzung der kulturhistorisch wichtigen Nachlässe in der Handschriftenabteilung erwerben: zum einen das 16-seitige Originalmanuskript „Notizen über meinen Lebensweg und meine literarische Thätigkeit“ von dem aus Wesselburen stammenden Dramatiker Friedrich Hebbel und zum anderen ein Konvolut von insgesamt 12 Briefen des bekannten Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voss und seiner Söhne Heinrich und Abraham Voss an den Verleger Friedrich Arnold Brockhaus in Leipzig samt einer Manuskriptprobe zu einer Shakespeare-Übersetzung.

 

Dieses Manuskript „Bedingungen für den Verlag“ von Johann Heinrich Voss steht in Zusammenhang mit dem gemeinschaftlichen Projekt von Johann Heinrich Voss und seinen Söhnen zur Drucklegung ihrer Shakespeare-Übersetzungen. Der Vater und seine Söhne richteten ihre Korrespondenz in den Jahren 1817-1820 an den Brockhaus-Verlag. Die Briefe sind Zeugnisse der damaligen Verlagspolitik und Marktmechanismen, der weitgehenden Selbstvermarktung und des zeitgenössischen Subskriptionstrends bei den Publikationen der Autoren um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

 

Auch das Hebbel-Manuskript erweist sich als herausragendes Dokument der schleswig-holsteinischen Kulturgeschichte, denn es stellt eine in dieser Fassung noch nicht veröffentlichte Autobiographie des Dichters dar. Zusammen mit einem Begleitbrief vom 15. September 1852, in dem der Autor den Verleger Brockhaus um eine Publikation seiner Schrift ersucht, bildet das Manuskript ein Mosaiksteinchen, das sich in den Hebbel-Nachlass gut als neue Quelle zur Biographie einfügt. Hebbel besinnt sich darin seiner traditionsreichen Heimat Dithmarschen (Hemmingstedt) und seines Herkunftsortes Wesselburen zu einer Zeit, als er zusammen mit seiner Ehefrau, der Wiener Burgschauspielerin Christine Enghaus, bereits auf den deutschsprachigen Bühnen reüssierte. Auch auf diese ruhmreiche Wiener Zeit wird reflektiert.

Lübeck 1500 - Kunstmetropole im Ostseeraum

Lübeck als Kunstmetropole im Ostseeraum

 

Lübeck gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten Kunstmetropolen im Ostseeraum. Als führende Hansemacht bot die Stadt optimale Voraussetzungen für die Ansiedelung von Künstlern. Sie lieferten die prächtige Ausstattung der städtischen Kirchen, konnten ihre Werke aber auch über den gesamten Ostseeraum verbreiten, begünstigt durch ein weitgespanntes, von Lübeck dominiertes Handelsnetz.

 

Den Ausgangspunkt der Sonderausstellung 2015 bildet die Fülle der in Lübeck erhaltenen Denkmäler aus den letzten Jahrzehnten vor Einführung der Reformation im Jahre 1531. Damals schufen vor allem Kaufleute und Bruderschaften die Voraussetzung dafür, dass die städtische Kunstproduktion ihre letzte Blüte erlebte. Vorrangiger Zweck ihrer Stiftungen war die Aufstellung neuer Altarretabel, aber auch Tafelgemälde, Goldschmiedekunst und gedruckte Bücher wurden in großer Zahl produziert.

 

"Lübeck 1500 - Kunstmetropole im Ostseeraum" ist das erste Projekt dieser Art, das die Bedeutung Lübecks als mittelalterliche und nachreformatorische Kunstmetropole für den nordischen Raum thematisiert. Die Ausstellung konzentriert sich auf die letzten Jahrzehnte vor Einführung der Reformation und deren darüber hinausgehende Auswirkungen ‒ auf den Zeitraum von etwa 1470 bis 1540. In diesen Jahren nahm die an sich schon bedeutende Kunstproduktion der Hansestadt einen bis dahin ungeahnten Aufschwung, der in seinen Auslösern und weitreichenden Abläufen bis hin zu den Umbrüchen der Reformation nachgezeichnet wird.

 

Die Ausstellung versammelt etwa 90 hochkarätige Werk aller Bildgattungen. Rund ein Drittel davon stammt aus der Sammlung des St. Annen-Museums und dient als Grundlage des Ausstellungskonzeptes. Die Ausleihen kommen aus deutschen, vor allen Dingen aber internationalen Museen und Kirchen, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Ostseeraum liegt.

 

Gezeigt werden Skulpturen, Tafelmalerei, Goldschmiedekunst und der damals neuentwickelte Buchdruck. Mit Einführung der Reformation werden die älteren Bildgattungen bedeutungslos. Das künstlerische Schaffen verlagert sich fast ausschließlich auf den Buchdruck. Dennoch werden die Kunstwerke bewahrt, Bilderstürme finden in Lübeck nicht statt. Die vorreformatorischen Altaraufsätze verlieren ihre inhaltliche Bedeutung, nicht aber ihre Funktion als Schmuck der Altäre.

 

Diesem Umstand ist die außergewöhnlich dichte Erhaltung des Denkmälerbestandes in Lübeck zu verdanken, nicht nur im St. Annen-Museum, sondern zu bedeutenden Teilen auch an seinem historischen Standort in den Innenstadtkirchen. Damit lässt sich in einzigartiger Weise die für den gesamten Ostseeraum maßgebliche Kunstentwicklung der Reformationszeit in ihren Kontinuitäten und Brüchen darstellen.

 

FOTOLEGENDE: Martyrium der Hl. Agnes. Sog. Meister von Tving, Lübeck um 1510. Lübeck St. Annen Museum. Foto: Jan Friedrich Richter

„Von Degen, Segeln und Kanonen - Der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“

29.05.2015 bis 04.10.2015 Reithalle, Schloss Gottorf in Schleswig

12.11.2015 bis 27.03.2016 Maritimes Museum Kotka, Finnland

 

Die große internationale Sonderausstellung der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf präsentiert vom 29. Mai bis 4. Oktober 2015 die in Deutschland weitgehend vergessene Bedeutung des Großen Nordischen Krieges für die Europäische Geschichte, der zu einer gravierenden Umgestaltung des Ostseeraumes in den Jahren von 1700-1721 führte. Das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf spielte als ein Anlass für den dänischen Kriegseintritt eine besondere Rolle. Anhand zahlreicher archäologischer, historischer aber auch hochwertiger künstlerischer Exponate wird einerseits die maritime Komponente des Krieges – Leben an Bord eines Kriegsschiffes – und als Gegensatz das höfische Leben des Barocks gezeigt. Ein zusätzlicher Fokus wird auf das gemeinsame Unterwasser-Kulturerbe gerichtet, der Umgang mit den Wracks in der Ostsee.

 

Anlass für die Ausstellung ist der 300. Jahrestag der Selbstversenkung des schwedischen Flaggschiffes „Prinsessan Hedvig Sofia“ am Eingang der Kieler Förde. Erst im Jahr 2008 wurde das Wrack unweit des Leuchtturmes von Bülk wiederentdeckt und in den folgenden Jahren durch Unterwasserarchäologen der Universität zu Kiel und der Syddansk Universität Esbjerg systematisch untersucht. Bei der Namenspatronin des Linienschiffes handelt es sich um die schwedische Prinzessin Hedvig Sofia, die Schwester des berühmten Königs Karls XII. Sie heiratete 1698 Herzog Friedrich IV. von Schleswig-Holstein-Gottorf, residierte eine Zeit auf Schloss Gottorf und wurde die Ahnherrin der russischen Zaren seit Peter III.

 

Schirmherrin der Ausstellung ist die UNESCO, unterstützt wird das Projekt der beiden Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen u.a. von Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein, von der Kultur-Stiftung der Länder, von der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein sowie dem Freundeskreis Schloss Gottorf und dem Förderverein des Archäologischen Landesmuseums.

 

Projektleiter: Dr. Ralf Bleile, Stellvertretender Direktor Archäologisches Landesmuseum

 

Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, D-24837 Schleswig Tel. 04621/813 302 | Mail bleile@schloss-gottorf.de Die Ausstellung im Internet: http://www.von-degen-segeln-und-kanonen.de/

Sterne fallen. Von Boccioni bis Schiele. Der Erste Weltkrieg als Ende europäischer Künstlerwege

11. Oktober 2014 – 8. Februar 2015

 

Bild: Henri Gaudier-Brzeska, „Selbstbildnis“, 1913, Pastell auf Papier, 51,7 x 36,5 cmDie Kunsthalle zu Kiel präsentierte anlässlich des Gedenkjahres zum Beginn des ersten Weltkriegs 2014 mit der Ausstellung Sterne fallen einen einzigartigen Querschnitt durch die Vorkriegsmoderne in Deutschland und Europa. Die Schau stellte 60 Künstler aus 12 europäischen Nationen vor, die im Ersten Weltkrieg gefallen oder durch seine Begleitumstände wie die Spanische Grippe und Suizid ums Leben gekommen sind.

 

Künstler wie Franz Marc und August Macke, Umberto Boccioni und Wladimir Burljuk haben in der kurzen Zeit ihres künstlerischen Arbeitens Wegweisendes geschaffen und sind in Deutschland sowie international im Gedächtnis geblieben. Andere wie der Portugiese Amadeo de Souza-Cardoso, die Serbin Nadežda Petrović und der Ukrainer Michail Le-Dantju sind nur in ihrer Heimat heute noch ein Begriff. Die Namen und Werke vieler weiterer Künstler und Künstlerinnen sind bisher nahezu unbekannt und fanden in dieser Schau erstmals ein öffentliches Forum.

 

Der Titel der Ausstellung zitierte den expressionistischen Dichter August Stramm. Stramm verfasste sein Gedicht „Wunde“ 1915 im Krieg und fiel im gleichen Jahr.

 

Sterne fallen fächerte mit rund 200 Gemälden, Graphiken und Plastiken ein breites Spektrum unterschiedlichster Stilrichtungen in einer Zeit einschneidender politischer und künstlerischer Umwälzungen auf. Die Ausstellung versammelte drei Generationen von 22 bis 60 Jahre alten Künstlerinnen und Künstlern. Die Älteren hielten sich an die Kunstrichtungen, die noch im 19. Jahrhundert entstanden waren: akademischer Realismus, Impressionismus, Symbolismus, Jugendstil. Der größere Teil der Ausstellung zeigt die Kunstszene um 1910. Über Expressionismus und Fauvismus entwickelte sich die klassische Moderne: vom Kubismus über den Futurismus bis zur Abstraktion. Aber auch neue Tendenzen des Realismus kamen auf.

 

Die bekannten und unbekannten Facetten der Werke stehen repräsentativ für den vehementen Aufbruch der Kunst im frühen 20. Jahrhundert, die den Krieg als Erfüllung von Erwartungen einer Umbruchzeit, von Euphorie oder Unzufriedenheit, Aggression oder positiver Energie begreift. Die Ausstellung spürte damit auch der Frage nach, inwiefern diese Zäsur Auswirkungen auf die gesamte klassische Moderne genommen hat.

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Weitere Informationen unter: www.kunsthalle-kiel.de

Hamburger Ratsmusik: Telemann Projekt 2014/15

Spirituoso

 

Zwar beansprucht die Stadt Hamburg Georg Philipp Telemann gerne als ihren Komponisten, dennoch führen seine Spuren deutlich auch in das dänisch regierte Holstein. Kompositionen und Korrespondenzen zeugen vom regen Kontakt zu unserem nördlich gelegenen Land. In Lübeck, Husum, Wilster und Rellingen wurden seine Werke aufgeführt. Telemanns Sohn lebte in Plön und seine Tochter war verheiratet nach Föhr, was den Komponisten selbst zu gelegentlichen Reisen gen Norden veranlasste.

 

Voller Esprit sind Georg Philipp Telemanns Kammermusiken, sie atmen und tanzen, sie sprechen, seufzen, singen, weinen und lachen. Seine legendäre Vielseitigkeit zeigt sich neben seiner stilistischen Vielfalt in der phantasievollen und ungewöhnlichen Instrumentierung vieler seiner Werke. Schließlich beherrscht er selbst sämtliche Instrumente seiner Zeit: „ ...wenn nicht ein zu hefftiges Feuer mich angetrieben hätte, ausser Clavier, Violine und Flöte, mich annoch mit dem Hoboe, der Traverse, dem Schalumo, der Gambe ec. biß auf den Contrebaß und die Quint-Posaune, bekannt zu machen“ schreibt Telemann in seiner Autobiographie, die in Matthesons Ehrenpforte 1740 erschien.

Ein Beispiel seiner kompositorischen Experimentierfreude sind die neun erhaltenen Triosonaten mit Dessus de Viole (Diskant-Viola da gamba). Diese im 18. Jahrhundert in Deutschland einzigartige Besetzung findet sich sonst nur in der Musik französischer Komponisten mit unterschiedlichen Instrumenten in der Diskantlage, wie z.B. in den Pièces en Trio von Marin Marais. Das Aufführungsmaterial von sechs der neun Sonaten wurde nun eigens aus den erhaltenen Handschriften erstellt.

 

Ziel dieses Projekts ist neben zwei Konzerten in Schleswig-Holstein die vollständige Dokumentation dieser musikhistorischen Rarität mit einer CD-Einspielung und einer Edition als erste Gesamtausgabe der sechs Triosonaten mit Oboe und Dessus de Viole.

 

www.hamburger-ratsmusik.de

THESPIS junior 2014

Im Rahmen des 9. THESPIS Monodramenfestivals konnte 2014 zum ersten Mal und unter der organisatorischen Leitung von Neele von Müller die neue Sondersparte THESPIS junior präsentiert werden.

 

 

Die insgesamt fünf Stücke aus fünf Ländern (fast alles deutsche Erstaufführungen) wendeten sich vornehmlich an ein jüngeres Publikum, d.h. an Kinder und Jugendliche.

Im Einzelnen handelte es sich dabei um folgende Inszenierungen:

 

9. November, 12 und 16 Uhr, Kulturzentrum Hansa48

Jens Raschke: „Schlafen Fische?“  

Das preisgekrönte und internationalen gespielte Kinderstück ab ca. 10 Jahren des Kieler Autors und THESPIS-Mitarbeiters Jens Raschke zum Thema Tod und Trauer mit der Schauspielerin Bettina Storm wurde gleich zweimal gezeigt.

 

11. November, 16 Uhr, Theater im Werftpark

Hotaka Hagiwara: „Vertrau‘ mir!“

Bereits zum zweiten Mal war die japanische Performancekünstlerin Hotaka Hagiwara bei THESPIS zu Gast und präsentierte dieses Mal eine Sammlung hierzulande mehr oder weniger bekannter Märchenstoffe, allesamt mit den Mitteln des japanischen Theaters erzählt.

 

11. November, 18 Uhr, PUMPE

Mark Cassidy / Alon Nashman, nach Franz Kafka: „Kafka and Son“ 

In einer beeindruckenden Bühnenadaption für Jugendliche ab ca. 16 Jahren zeigte der Kanadier Alon Nashman Franz Kafkas „Brief an den Vater“, jenes erschütternde Dokument einer gestörten Vater-Sohn-Beziehung.

 

12. November, 16 Uhr, Theater im Werftpark

Narine Grigorian, nach Nathalie Fillion: „Dzin. Poem“

Eine höchst poetische Version eines französischen Kinderbuchs, dargeboten von der armenischen Ausnahmeschauspielerin Narine Grigoryan, begeisterte das Publikum mit hierzulande weitgehend unbekannten Theatersprache.

 

12. November, 18 Uhr, Studio im Schauspielhaus

Dor Zweigenbom: „Why I Killed My Mother”

Der israelische Schauspieler, Autor und Regisseur Dor Zweigenbom schickte sein Publikum ab 16 Jahren in seinem autobiografischen Erfolgsstück „Why I Killed My Mother“ auf eine Achterbahnfahrt durch die Abgründe einer zerrütteten Familienkonstellation.

 

Das Thema Kinder- und Jugendtheater im internationalen Vergleich wurde auch in einem begleitenden Symposium in den Räumlichkeiten der Kieler Nachrichten erörtert.

 

www.thespis.de

TanzOrtNord "Soufflé"

 

Lübeck - „ Das Essen soll zuerst das Auge erfreuen und dann den Magen." Die Compagnie TanzOrt­Nord hat sich den ersten Teil dieser Ansicht Johann Wolfgang von Goethes zu eigen gemacht. Das Tanztheater „Soufflé" von Shiao Ing Oei erfreut das Auge, während der Magen so gut wie vollständig vernachlässigt wird. 70 Minuten lang geht es in verschiedenen Szenen ums Essen, ums Trinken - und um notwendigen Begleitmaßnahmen wie Einkaufen und Kochen.

Eine Tischplatte an der Bühnenrückwand im Theater Combinale, zwei schlichte Stühle weit über dem Boden. Hier verbringen drei Tänzerinnen und zwei Tänzer einen Tag, der ausgefüllt ist mit allem, was zur Nahrungsaufnahme dazugehört. Die Tischplatte ist Projektionsfläche für Videoaufnahmen (von Henning Zick) wie aus einem Livestyle-Magazin, die das Geschehen auf der Bühne begleiten. Da wird zum Frühstück Teig geknetet, Brötchen werden geformt, Frühstückseier blubbern im Kochtopf dekorativ vor sich hin. Auf der Bühne wird Kaffee in der Handmühle gemahlen, Orangensaft frisch gepresst.

Zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer (Janessa Jenkins und Shiao Ing Oei, die für die verletzte Ulla Ben­ninghoven eingesprungen ist) und zwei Tänzer (Adrian Castello, Giovanni Nicolella) arbeiten sich durch den Tag. Spazierfahrten im Einkaufswagen oder Trommeln auf Kochtöpfen: Die Choreografie bindet die Gegenstände effektvoll ein zu Musik, die eine Collage aus Klassik, mittelalterlicher Musik, Percussion, fernöstlichen Klängen und anderem mehr ist.

Es ist ein Tag voller Opulenz, der mit alkoholischen Getränken und einem üppigen Menü endet. Es gibt Mango-Chili-Suppe mit Scampis in Sesam, Poulardenröllchen mit Rosmarinkartoffeln und verschiedenen Gemüsen, und zum Dessert ein Soufflé. Die Tänzer haben begleitend zur Einstudierung des Stückes einen Kochkurs gemacht und diese Speisen zubereitet. Dass sie auch das Auge erfreuen, wird auf der Videowand vorgeführt.

Klugerweise hat Shiao Ing Oei es jedoch nicht bei der Schwelgerei belassen. Auf witzige Art und Weise wird das große Essen immer wieder durch den Kakao gezogen. Zum Bei­spiel in einer Szene, in der es um Schweinebraten und Brathuhn geht. Adrian Castello gibt dabei eine gute Figur ab auch als Schweinebraten, der eingepinselt und gewürzt wird. Gleiches ist von Janessa Jenkins als Hühnchen zu sagen.

Das Publikum spendet immer wieder Szenenapplaus. Besonders amüsiert Birgit Schmidt, die als Putzfrau zwischen den einzelnen Szenen für Ordnung auf der Bühne sorgt. Tänzerisch ist ihr Part weniger anspruchsvoll, aber wenn sie mit Besen und Putzlappen hantiert und sich hin und wieder einen übrig gebliebenen Schluck oder Happen gönnt, gelingen ihr ungemein komische Szenen.

Das ideenreiche, vergnügliche und witzige Tanz-Theater, von den Mitwirkenden mit viel Lust und Lau­ne präsentiert, wurde minutenlang beklatscht. Auch die Mägen wurden dann doch noch bedient: Für das Premierenpublikum gab es nach der Vorstellung eine Suppe.

 

Lübecker Nachrichten  (Liliane Jolitz)

Gedenkfeierlichkeiten zum 500. Todestag der Herzogin Anna von Brandenburg

Der Kultur- und Verschönerungsverein Bordesholmer Land e.V. widmete Herzogin Anna von Brandenburg aus Anlass ihres 500. Todestages eine Veranstaltungsreihe.

 

Vor 500 Jahren – genau am 3. Mai 1514 – starb Anna, die Gemahlin des schleswig-holstein-gottorfi­schen Herzogs Friedrich. Sie stammte aus dem Hause Brandenburg und wurde nach ihrem auch für damalige Verhältnisse frühen Tod in einer Gruft unter dem Kenotaphen der Bordesholmer Kloster­kirche bestattet.

Die zwölf Ehejahre nutzte die junge Frau mit hoher Schaffenskraft zugunsten ihres Volkes, u. a. durch ihr Zutun zur Stiftung des Chorgestühls, der prächtigen bronzenen Tumba und des riesigen Altars durch den Holzschnitzmeister Hans Brüggemann.

Der Kultur- und Verschönerungsverein Bordesholmer Land e. V. (KVBL) hat ihr Wirken für so bedeu­tend eingeschätzt, dass er ihr aus Anlass des 500. Todestages eine umfassende Veranstaltungsreihe gewidmet hat. Die folgenden Veranstaltungen wurden im Juni und September 2014 unter reger Anteil­nahme der Bevölkerung (geschätzte Gesamtbesucherzahl: rund 3000) durchgeführt:

  • Die Rekonstruktion des Inneren der Klosterkirche im Zustand zu Beginn des 16. Jahrhunderts, darunter
  • die Neuschaffung von 12 der ursprünglich 15 Altäre der Klosterkirche durch regionale Künstlerinnen und Künstler (Einführung: Dr. Peter Thurmann, Kunsthalle Kiel) mit Anferti­gung eines Katalogs,
  • die Trennung der Kirche in einen priesterlichen und einen Laienteil durch Ergänzung des Chorgestühls und Simulation zweier ursprünglich dort vorhandener Heiligensäulen und
  • die Aufhängung einer riesigen Leinwand mit der Darstellung des Brüggemann-Altars („Bor­desholmer Altar“), jetzt im Dom zu Schleswig, im Maßstab 1 : 1.
  • Die Sichtbarmachung der Umrisse der alten Klostergebäude mit Hilfe von Pflastermarkierun­gen und Aufstellung eines dauerhaften Modells der inzwischen weitgehend verschwundenen Anlage.
  • Eine Sonderausstellung im Gewölbekeller zu Annas Leben (Eröffnung: Dr. Jens Ahlers, Leiter der Landesbibliothek Kiel).
  • Ein Spiel um einen fiktiven Besuch des Reformators Martin Luther in der – damals noch katholi­schen – Klosterkirche (Referent: Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling, Universität Kiel).
  • Ein Seminar mit Exkursion zu Annas Grab in der Klosterkirche und zum Brüggemann-Altar im Dom ihrer Residenzstadt Schleswig; Leitung: Nils Claussen, Kulturbeauftragter der Gemeinde Bordesholm (zusammen mit der Volkshochschule Bordesholm/Wattenbek).
  • Ein Konzert in der Klosterkirche zu Musik aus Annas Zeit durch die Hamburger Ratsmusik und den reger-chor-bordesholm (zusammen mit dem Verein zur Förderung der Musik in der Klos­terkirche Bordesholm e. V.).
  • Ein nordisch-mittelalterliches Mittsommernachtsfest auf dem Lindenplatz (zusammen mit dem Mittelalterverein „Op de Vogelwiesch“).
  • Die Herausgabe eines Aufsatzheftes über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Anna (aus der Schriftenreihe „DenkMal!“ mit freundlicher Genehmigung des schleswig-holsteini­schen Landesamtes für Denkmalpflege).
  • Zwei ausverkaufte Aufführungen des von Bordesholmer Bürgerinnen und Bürgern geschriebe­nen, inszenierten und aufgeführten Schauspiels „Anna von B.“ in der Klosterkirche (mit aus­führlichem Programm­heft und vorausgehender szenischer Lesung in den Räumen der Bordesholmer Sparkasse).

Alle Veranstaltungen wurden neben einem hohen Maß an ehrenamtlicher Arbeit und einem Einsatz von knapp 30 000 Euro aufgrund einer enormen Spendenbereitschaft in Politik und Wirtschaft, aber auch durch Einzelpersonen aus Bordesholm und darüber hinaus möglich. Auch die Kulturstiftung Schleswig-Holstein hat hierfür einen namhaften Betrag zur Verfügung gestellt.

Es war das Ziel der Veranstaltungsreihe, dass sich die eigene Bevölkerung noch mehr als bisher mit der Vergangenheit ihres geschichtsträchtigen Wohnorts vertraut macht und dass die unverzichtbare Identifikation mit der Heimat nachhaltig gefördert wird.

 

Weitere Informationen: http://www.kulturverein.bordesholmer-land.de/?show=361

 

Wintertag in Ellerbek

Hans Olde, Öl auf Leinwand, 1893. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum konnte durch den Ankauf des Gemäldes seinen Sammlungsbestand „Fördegalerie“ erweitern.

 

 

 

Hans Olde (1855-1917) war auf Gut Seekamp bei Kiel aufgewachsen und studierte von 1879 bis 1884 in München, wo er Mitglied der Secession wurde. Er hatte 1886 in Paris Werke von Claude Monet kennen gelernt, die eine entscheidende Inspirationsquelle für seine Entwicklung wurden. Nach seiner Rückkehr nach Kiel 1892 führte er in Schleswig-Holstein die neuartige Plein-Air-Malerei ein. 1894 wurde er Gründungsmitglied der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft, die das Ziel verfolgte, eine eigenständige norddeutsche Freilichtmalerei zu etablieren. Olde wurde 1902 Direktor der Kunstschule in Weimar sowie ab 1910 Leiter der Kunstakademie in Kassel.

Oldes Bilder von der bäuerlichen norddeutschen Arbeitswelt und der Landschaft an der Kieler Förde zeigen seine Verbundenheit mit der heimatlichen Umwelt. Sie liefern den künstlerischen Beweis, dass sich eine zeitgenössisch moderne Malerei und die regional traditionelle Motivwahl zu einer gestalterischen Einheit zusammenfügen lassen. Für diesen kunstgeschichtlich produktiven und zukunftsweisenden Schritt ist Oldes Bild Wintertag in Ellerbek ein repräsentatives Zeugnis.

Als Provenienz des Gemäldes mit der schlecht leserlichen Datierung 1893 wird der Sohn Hans Olde d. J. – ebenfalls Maler - genannt, nach dessen Auskunft der Vater das vorliegende Gemälde für eines seiner besten impressionistischen Werke hielt.

Das Bild ist außerdem aus motivischer Sicht interessant, denn es belegt die aus der Literatur bekannte Szenerie der winterlichen Schlittenfahrten auf dem Eis der Kieler Förde bei Ellerbek. Dem Fischerdorf Ellerbek kommt eine besondere stadtgeschichtliche Bedeutung als Keimzelle der Kieler Fischindustrie zu. Mitte des 19. Jahrhunderts war Ellerbek ein beliebtes Ausflugsziel und Motiv romantischer Landschaftsmaler aus ganz Norddeutschland, die das Fischerleben idealisierten. Das Gemälde Oldes verweist auf den Wandel in der künstlerischen Auffassung des Ellerbeker Fischermotivs am Ende des Jahrhunderts.

 

Weitere Informationen:

 

Stadt-undSchiffahrtsmuseum@kiel.de

http://www.kiel.de/kultur/museum/schifffahrtsmuseum/geschichte.php

Die Befragung des Raumes

Die Drostei Pinneberg zeigt vom 8. Februar bis 29. März 2015 Skulpturen und Zeichnungen des Kunstpreisträgers der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft, Jörg Plickat, zum 60. Geburtstag

 

 

Jörg Plickat, geboren 1954 in Hamburg, zählt zu den prominentesten deutschen Bildhauern seiner Generation. Anlässlich seines 60. Geburtstages wird der Künstler in der Pinneberger Drostei mit einer umfassenden Ausstellung geehrt. Der Titel der Ausstellung „Die Befragung des Raumes. Skulpturen und Zeichnungen“ ist Programm - mit bisher unveröffentlichten Exponaten, darunter plastischen Arbeiten aus Stein und Bronze, Grafiken und Zeichnungen. Dokumentationen wie Werkmodelle und Fotografien auf Alu-Dibond ergänzen die in Deutschland einmalige Retrospektive.

Was macht den Menschen aus? Wie wirkt der Mensch im Raum oder umgekehrt der Raum auf den Menschen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Bildhauer Jörg Plickat, der in Bredenbek bei Kiel lebt, und darauf auch Antworten findet. Jörg Plickat führt Abstraktion und Raumerleben zusammen. Wie ein Baumeister spielt er mit geometrischen Formen, experimentiert, fügt Kuben hinzu oder entfernt sie wieder, wirbelt die Körper auf den Kopf, um die eigene Achse, wechselt die Perspektiven. Monumentale Stahlbalken werden gedreht und geknickt oder Granitgestein-Kuben ineinander geschoben, verschachtelt, zusammengefügt.

Immer wieder umkreisen die kleinen und großen Skulpturen jene Motive und Themen, die von Beginn an als wesentlich für Plickats Schaffen sind: die Figur im Raum. Auch an den Papierarbeiten, frühen Aktzeichnungen, lässt sich die Handschrift Plickats ablesen: die Motive breiten sich allmählich auf der Fläche aus - Volumen, Raum und Balance sind ein wiederkehrendes Thema.

Die Ausstellung verdeutlicht Plickats Konzept, Fülle und Leere als räumliche Qualitäten anschaulich erlebbar zu machen. Der Bildhauer, der 2012 mit dem Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft ausgezeichnet wurde, formuliert konsequent die Beziehung zwischen Körper und Volumen. Wie kein anderer praktiziert Jörg Plickat die Gesetze des Materials und der Proportionen. Die Expertise des Künstlers, der in Schleswig-Holstein seinen Lebensmittelpunkt hat, und ein einzigartiges Lebenswerk geschaffen hat, ist weltweit gefragt. Im Jahr 2011 wird Jörg Plickat nach China berufen, um als Gastprofessor an den renommierten Akademien, der Tsinghua Universität von Peking und der Nationalakademie in Hangzhou, zu unterrichten – und ab 2014 an der Universität von Madrid.

Analog zur Architektur ist Plickats Werk gekennzeichnet durch die Verwendung elementarer geometrischer Formen. Ein Lebenswerk, das trotz formaler Strenge, mit Leichtigkeit und Ironie überzeugt.

 

Weitere Informationen:

info@drostei.de

www.drostei.de

 

Wang Shugang + Beijing Berlin Projekt

Laufzeit: 31. August 2014 bis 11. Januar 2015

Am 31. August 2014 vergab die Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg den mit fünftausend Euro dotierten Ernst Barlach Preis 2014 an den chinesischen Bildhauer Wang Shugang. Sowohl die Werkauswahl des Preisträgers als auch das außergewöhnliche Beijing Berlin Projekt rücken den kulturellen Dialog zwischen China und Europa in ein neues Blickfeld. Kurator: Alexander Ochs, Berlin.

 

Bildhauer Wang Shugang

Wang Shugang (geb. 1960) studierte Bildhauerei an der Central Academy of Fine Arts in Peking.

1989 emigrierte er nach Deutschland, wo er als Bildhauer im Ruhrgebiet lebte und arbeitete. Erst 2000 kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Über seine Zeit in Deutschland sagte er später, hier habe er gelernt, „was es heißt, einsam zu sein.“

Mit seiner stark reduzierten und stilisierten Formensprache formuliert der Künstler in immer neuen Ansätzen sein zentrales Thema: Das Verhältnis von Individuum und Kollektiv in der von einer Partei beherrschten Massengesellschaft.

Sein Leben in Deutschland aber hat ihn schmerzlich erleben lassen, dass die individuelle Freiheit

des Einzelnen gleichzeitig auch den Verlust von Gemeinschaft und Zusammenhalt bedeutet, den es so in China seiner Meinung nach noch nicht gibt. Aber, so sagt er: „Der Preis der Geborgenheit besteht eben in dem Uniformitätsdruck des Kollektivs.“

 Wang Shugang entwickelt seine glatt polierten, ausgesprochen ästhetischen Bildwerke aus der Widersprüchlichkeit seiner kulturellen Erfahrungsmuster. Dabei erfindet er eine symbolhafte Farben- und Formensprache. Der Bildhauer fertigt seine skulpturalen Modelle aus rot leuchtendem oder schwarzem Polyester sowie aus Marmor oder Bronze an, die uns einerseits an seriell hergestellte Industrieprodukte erinnern, und die andererseits sowohl von europäischer Figuration des 20. Jahrhunderts als auch von buddhistischer Ikonografie beeinflusst sind. Die Figuren Wang Shugangs treten selten alleine auf, sondern häufig als Gruppen. Aber häufig verkörpert der Einzelne trotz der kollektiven Zugewandtheit eine isolierte Existenz.

International bekannt wurde Wang Shugang durch seine roten Mönche, die Gruppe von acht lebensgroßen, in einem spirituellen Kreis hockenden und an buddhistische Mönche erinnernden Figuren, die er für den G-8 Gipfel in Heiligendamm 2007 konzipierte und die 2010 auf der Biennale

in Vancouver neu inszeniert wurden. Typisch für sein Werk ist die bittere ironische Brechung zwischen Gegenwart und Rückbesinnung auf Tradition und kulturelles Wissen.

 

Das Beijing Berlin Projekt

1989 kommt Tan Ping (geb. 1960), heute Vizepräsident der Central Academy of Fine Arts in Peking,

an die Hochschule der bildenden Künste Berlin, an der auch Andreas Amrhein (geb. 1963) und Rüdiger Schöll (geb. 1957) studieren. Man kennt sich und trifft sich gelegentlich in der Druckwerkstatt der HDK. Eines Tages schlägt Tan Ping ein Experiment vor, zu dem noch Ying (geb. 1960), die Künstlerin aus Hangzhou, die ebenfalls ein Stipendium in Berlin hat, hinzustößt. Sie wollen graphische Arbeiten zusammen erstellen: in Deutschland Radierungen, in China Holzschnitte, den traditionellen Techniken Europas und Asiens folgend. Nur die Größe und Anzahl der Druckplatten, die alle vier Künstler verwenden, wird festgelegt. Auf den Kupferplatten und Druckstöcken arbeitet jeder für sich. Erst im Druckvorgang werden die Motive zusammengefügt, in farbigen oder schwarz-grauen Abstufungen übereinander gedruckt.

Das Zufallsprinzip bestimmt die Komposition. Dies allein ist keine neue Erfindung, sondern hat seit

Leonardo da Vinci als „befreiendes Verfahren“ vielfach Eingang in die künstlerische Praxis gefunden.

Ungewöhnlich ist vielmehr die gewollte Anonymisierung der Autorenschaft. Die heute im Kupferstichkabinett Berlin gesammelten ersten Arbeiten des Beijing Berlin Projektes weisen eine verblüffende Homogenität auf, die vor allem deshalb so erstaunlich ist, weil sich die vermeintlich kulturelle Andersartigkeit der Künstler darin vollständig auflöst.

2011 tritt das Beijing Berlin Projekt in eine neue Arbeitsphase ein: Für Teng Ying nimmt der 1973 geborene Kang Jianfei teil. Sie arbeiten an großformatigen Holzschnitten, wieder nach dem alten Prinzip: Jeder verwendet die in der Größe festgelegten Holzplatten für sich allein, die dann an der Druckpresse übereinander gedruckt werden. Auch wenn in dieser zweiten bzw. dritten Phase (die ersten Radierungen entstanden 1996 in Berlin, die ersten Holzschnitte im selben Jahr in Peking), die persönlichen Anteile deutlicher erkennbar sind, entstehen wieder Gemeinschaftswerke von herausragender Spannkraft. Scheinbar absichtslos sind die abstrakten Bildelemente von Schöll und Tan mit den eher metaphorisch figurativen von Amrhein und Kang zu einem Ganzen gewachsen. Schicht um Schicht, Druckstufe um Druckstufe haben sie eine faszinierende Komplexität entwickelt. Irritierend auch, denn was ins Auge springt, ist der bewusste Verzicht auf ein Ego, im Sinne einer kulturellen, historischen, politischen oder persönlichen Selbstbehauptung.

 

Weitere Informationen:

Email: kontakt@ernst-barlach.de

www.ernst-barlach.de

Ausstellung „In der Tiefe“

Malerei mit Pigment und Wachs von Corinna Altenhof Fotografische Arbeiten von Hayo Heye Die Drostei Pinneberg zeigt vom 13. Juli bis 31. August 2014 Arbeiten von Corinna Altenhof (Eckernförde) und Hayo Heye (Hamburg), die sich mit dem Thema „Oberflächen, Strukturen und Tiefenwirkung“ befassen.

 

Corinna Altenhof (BBK Schleswig-Holstein) und Hayo Heye (BBK Hamburg) stellen in der Drostei erstmals gemeinsam aus. Dabei werden zwei künstlerische Positionen sichtbar, die sich beide mit den Themenkomplexen von Oberflächen und Strukturen auseinandersetzen, dabei aber unterschiedlichste, wenn nicht gar gegensätzlichste Ansatzpunkte haben. Dennoch zeigen sich erstaunliche Parallelen in der Umsetzung.

Die verwendeten Techniken, Malerei mit Pigment und Wachs auf der einen Seite sowie Fotografie auf der anderen, scheinen zunächst ohne tatsächliche Beziehung nebeneinander zu stehen. Das Naturprodukt Wachs, von zarter Schönheit und Verletzlichkeit und die Fotografie als hochtechnisierte und dadurch reproduzierbare Kunstform bilden in dieser Ausstellung eine Wechselbeziehung, indem die Künstler tatsächlich „In die Tiefe“ schauen, Oberflächen aufbrechen und Strukturen vertiefen.

Bei den Arbeiten von Corinna Altenhof wird dies mit dem von ihr aufgetragenen Wachs und Pigment auf Papier oder Leinwand umgesetzt. In diesen Prozess schreiben sich feine Brüche ein. Die Struktur der scheinbar glatten Oberfläche erhält tiefe Dimensionen und wird durch die Unaufhaltsamkeit der Linien zu einer bewegten Fläche. Die Verletzlichkeit und gleichzeitige Stärke des Wachs als Material zeugen bereits von dem Ineinandergreifen scheinbar widersprüchlicher Aspekte und kreieren eine Aura der Schönheit.

Der Fotograf Hayo Heye hat sich in dokumentarischer Form mit Oberflächen beschäftigt, doch die ausgewählten Motive seiner Fotografie enthalten in sich bereits eine künstlerische Komponente. Die Motive entstanden durch die Zusammenkunft von Menschen in verschiedenen Raum- und Zeitverhältnissen: Schlaglöcher in Straßen, betretene Folien, Ausschnitte aus Fußböden oder Arbeitstische der Kunsthochschulen in Hamburg. Mit Hilfe der Fotografie bestimmt Hayo Heye mit einem Ausschnitt eine neue Oberfläche und bannt so vorhandene Strukturen in eine neue Wirklichkeit.

Für die Ausstellung in der Drostei haben Corinna Altenhof und Hayo Heye erstmals auch Gemeinschaftsarbeiten geschaffen, die wie verbindende Elemente durch die einzelnen Ausstellungsräume führen werden.

 

Weitere Informationen:

info@drostei.de

www.drostei.de

WACKEN:MUSIC:CAMP

Das 1. WACKEN:MUSIC:CAMP (W:M:C) fand vom 11.08. bis zum 18.08.2014 statt.

 

 

Alle Jugendlichen hören gern Musik. Viele würden gerne selbst in einer Band spielen, haben aber aus finanziellen, räumlichen oder zeitlichen Gründen wenig oder keine Gelegenheit dazu. Der Verein Kurs 54° Nord aus Wacken, der Landesverband der Musikschulen und die FH Westküste (Tourismus) wollten das mit Unterstützung der WACKEN FOUNDATION und der Sparkasse Westholstein mit einem neuen Musikferien-Angebot zum „Jahr der kulturellen Bildung 2014“ der Landesregierung in Schleswig-Holstein ändern.

 

Eine Woche nach dem weltgrößten Heavy-Metal-Open-Air, in der Zeit vom 11.08. – 18.08.2014 fand auf dem VIP/Bandbereich des Festivals das erste WACKEN:MUSIC:CAMP (W:M:C) statt. 65 TeilnehmerInnen zwischen 13 und 17 Jahre haben in Instrumental- und Bandtrainings ihre eigenen Songs entwickelt und am Ende öffentlich aufgeführt. Das aktive, gemeinsame Musizieren und der kreative Prozess standen die Woche über im Vordergrund. Die Jugendlichen wurden von erfahrenen Produzenten, Rockmusikern sowie Musikpädagogen unterstützt. Dabei sind neben Heavy-Metal- und Rock-Stücken auch angrenzende Stile, wie z.B. Folk- und Popsongs entstanden. Und ganz unterschiedliche, „klassische“ Instrumente wie Violine, Cello, Saxophon oder Flöte waren dabei. Wer noch kein Instrument spielte, konnte die ersten Versuche an Keyboard Bass oder Gesang machen – alle Talente wurden eingebunden!

 

Natürlich kam auch die Freizeit auf dem W:M:C nicht zu kurz. Neben den musikalischen Workshops stand z.B. der Besuch eines Hochseilgartens, des Steinzeitparks Albersdorf und eine Kanu-Tour auf dem Programm, wo die Jugendlichen mit ihren betreuenden „Bandmanagern“ Spaß hatte und ganz nebenbei gruppenbildende Prozesse erlebten.

 

Das Abschlusskonzert unter professionellen Bedingungen in der großen Wackener Turnhalle wurde zu einem fantastischen Rockkonzert, bei dem nicht nur die Gründer des Wacken Open Air, Holger Hübner und Thomas Jensen mitfieberten, sondern auch Stiftungsvorstand Dr. Schmidt-Elsäßer und Landtags-Vizepräsident Bern Heinemann sowie zahlreiche Bürger des Ortes und natürlich die Eltern und Geschwister der MusikerInnen viel Spaß hatten.

 

Die Idee und der Bedarf deckten sich mit dem Konzept optimal. Diese Form der Aktivierung einer ländlichen Region wurde sogar im Bundeswettbewerb als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ prämiert. 

 

Dank der Unterstützung der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein konnte das WACKEN:MUSIC:CAMP so erfolgreich umgesetzt werden, dass die Weiterführung mit den weiteren Unterstützern gesichert werden konnte. Das W:M:C 2015 ist gesichert, der Wille einer dauerhaften Durchführung ist da.

 

Wir Veranstalter – vor allem aber die Jugendlichen, die sich mit und ohne musikalischen Vorkenntnissen auf das Abenteuer Musik machen eingelassen haben, sagen DANKE!!

 

Mehr Infos und einen vierminütigen Film zum W:M:C 2014 gibt es unter:

www.wacken-music-camp.de